DIE
TECHNIKEN UND INNEREN LEHREN "MOUIDI" DES MOTOBU UDUNDI
GEHEIME
KAMPFKUNST DER KÖNIGLICHEN FAMILIE DER RYUKYU INSELN
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Über
achtzig Jahre sind vergangen, seitdem ich begann Bujutsu von meinem
Lehrer, CHOYU MOTOBU Sensei zu lernen. Ich verdanke meine andauernde
gute Gesundheit, mein jetziges Alter von 91 Jahren, zum Teil der
Tatsache, dass ich an den Lehren meines Lehrers festhielt und
niemals mein tägliches Bujutsu-Training vernachlässigt habe. Heute
möchte ich über die Dinge reden, die mir mein Lehrer vor etwa
achtzig Jahren beigebracht hat. Ich hoffe meine Ausführungen werden
helfen, etwas mehr über die Kunst Motobu Udundi zu erfahren.
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| Derecha sentado: Sensei
Seikichi Uehara. De rodillas en centro: Sensei Mimoun Boulahfa, al
lado Sensei Shimabukuru. Sunset Beach (Okinawa), 1990-1991. |
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Motobu Udundi wurde gegründet von SHO KOSHIN MOTOBU OJI CHOHEI, dem
sechsten Sohn von König SHO HITSUO, dem zehnten König der Ryukyu-Inseln
aus der zweiten Regentschaft der Sho-Familie. Es wurde über Generationen in
der Familie Motobu weitergegeben, die die königliche Familie des Ryukyu-Königreiches
war. Das "Udun" im Namen Udundi bedeutet "im Besitz des
Status einer königlichen Familie". Deshalb heißt Motobu Udun "die
königliche Familie Motobu". Das "di" im Namen steht für
"Hand" und wird ergänzt durch "Bujutsu" oder "Kampfkunst".
Es ist das selbe wie im Wort "Karate", was seit der frühen Showa-Periode
im japanischen geschrieben wird, indem die Zeichen für "leer" und
"Hand" benutzt werden. Früher wurde es original mit anderen
Zeichen für "kara" in der Bedeutung von "chinesisch"
geschrieben, um auszudrücken, dass Karate Einflüsse mit ihrem Ursprung in
China hat. Entsprechend heißt Udundi "die Kampfkunst des Königshauses".
Als das geheime Bujutsu der Ryukyu königlichen Familie, Motobu Udundi
wurde über Generationen in der Familie Motobu im Geheimen von Vater zum ältesten
Sohn weitergegeben. Man sagt, dass der älteste Sohn sein Training im Alter
von sechs Jahren begann und es beendete, wenn die Zeit der Zeremonie des
Erwachsenwerdens kam. Die Techniken wurden geheim gehalten und auch seinen
Brüdern war es nicht erlaubt, das Training zu beobachten. Deshalb
ist diese Kampfkunst und erst recht dessen technischer Lehrplan auf der Welt
kaum bekannt.
In den Tagen, als Okinawa
noch das Ryukyu-Königreich war, wurde Motobu Udundi im Geheimen nur dem
Erben des Anwesens der königlichen Motobu-Familie gelehrt. Wie auch immer,
durch komplexe historische Umstände im Zuge der Meiji Restauration, kam es
dazu, das mir, obwohl ich nicht blutverwandt mit der Motobu Familie bin,
diese Kunst durch den 11. Großmeister, MOTOBU CHOYU, gelehrt wurde.
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Grupo de alumnos de
Motobu Udundi de Japón y Okinawa durante la inauguración del
Castillo Shuri (Naha - Okinawa), 199...
Abajo, 4º por la
derecha: Chosei Motobu (hijo de Choki Motobu), Vicepresidente de
Motobu Udundi Kobujutsu; 1º por la derecha: Sensei Moromi Sato,
Fumiko Kamiunten. 1º por la izquierda: Sensei Mimoun Boulhafa. |
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Die technischen Charakteristiken des Motobu Udundi Techniken gegen
mehrere Gegner
Die Techniken des Motobu
Udundi sind entwickelt worden in der Annahme eines Kampfes gegen mehrere
Gegner während einer Schlacht. Aus diesem Grund werden die Techniken ausgeführt,
während man sich fortwährend bewegt. Der Übende hört nicht auf, sich zu
bewegen, auch nicht für einen Moment, bis der letzte Gegner besiegt und der
Konflikt beendet ist. Deshalb wird Bewegung als sehr wichtig im Motobu
Udundi erachtet.
Nur ein einziger Schlag oder Technik wird für jeden Gegner benutzt, da es
zu schwer ist, mit mehreren Gegnern umzugehen, solange man jeden mit einem
einzigen Angriff schlagen kann. Außerdem kann jede unnötige Bewegung
fatale Folgen im wirklichen Kampf haben - im Motobu Udundi verlassen wir uns
nicht auf vorbereitende Bewegungen vor der Ausführung von Techniken, zum
Beispiel durch das Absenken der Hüfte oder das Zurückziehen des Armes um
mehr Schwung zu bekommen. Auch treten wir dem Gegner nicht in irgendeiner
bestimmten Kamae (Haltung) oder einem bestimmten Stand gegenüber. Anstatt
zu blocken oder uns zu verteidigen gegen Angriffe, bewegen wir uns
kontinuierlich in die Bereiche, die "tote Winkel" in den Angriffs-
und Verteidigungslinien des Gegners darstellen, genauso wie wir unseren Körper
aus der Linie des ankommenden Angriffes bewegen. Deshalb kommen unsere
Waffen niemals in Kontakt mit den Waffen unseres Gegners, was die Gefahr
mindert, dass sie beschädigt werden. Eine Regel ist, dass Schwerter und
andere Klingenwaffen im Paar benutzt werden und ein weiteres
Charakteristikum des Motobu Udundi ist die Fähigkeit, diese Waffen frei
benutzen zu können, egal in welcher Hand.
Wenn man gleichzeitig mehrere Gegner hat, ist besondere Aufmerksamkeit auf
jede Änderung im Sichtfeld sehr wichtig, sodass die Bewegungen jedes
Gegners erfasst und kontrolliert werden können. Wir vermeiden, unsere Augen
auf einen bestimmten Punkt zu fixieren und versuchen stattdessen die
Situation als Ganzes zu erfassen.
Es ist wichtig, den Geist leer von Gedanken zu halten und sich mit dem
nichthaftenden bzw. losgelösten Geist zu bewegen, aber man muss auch bereit
sein sofort zu reagieren oder einen Gegenangriff zu starten, wenn ein Gegner
auch nur die leichteste Bewegung macht.
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Von Techniken der leeren Hand zu Waffentechniken, dann zum "kriegerischen
Tanzen"
Das Training des Motobu
Udundi beginnt mit einfachem Taijutsu oder Techniken der leeren Hand,
die Schläge und Tritte einschließen. Diese Grundlagen werden
benutzt, um den Körper zu trainieren und eine Grundlage zu legen.
Basierend auf dieser Grundlage fährt der Übende fort, die
Handhabung von über zwanzig unterschiedlichen Waffen zu meistern.
Die Essenz oder der Schlüssel zu diesen Waffentechniken liegt im
Schwert. Wenn die Waffentechniken einmal gemeistert sind, werden
fortgeschrittene Techniken der leeren hand namens Tuiti (Tuite, chin:
Tuishou) gelehrt.
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Am Anfang des Taijutsu
lernt der Übende sogenannte "harte" Techniken, die entwickelt
wurden, um einen Gegner mit einem einzigen Schlag zu Boden zu bringen. Das
Ziel der Tuiti-Techniken ist "weiche" Techniken zu vermitteln,
die es ermöglichen, dass der Gegner nicht in der Lage ist diesen zu
widerstehen, jedoch ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Hat man diese
Tuiti-Techniken gemeistert, ist es möglich, sich waffenlos gegen alle
Arten von Waffen zu verteidigen und die Gegner zu kontrollieren. Die
Methode, mit der die Hand des Gegners gegriffen und bei den Tuiti-Techniken
"gehandhabt" wird, ähnelt sehr den Bewegungen, die bei der
Schwertmethode des Motobu Udundi genutzt werden. Deshalb ist es schwer,
die Tuiti-Techniken zu meistern, wenn man nicht zuerst die Waffenmethoden
gelernt hat. Es ist auch schwer Tuiti-Techniken auszuführen, wenn der Körper
angespannt ist. Deshalb müssen die Linien des Körpers immer flüssig und
weich bleiben.
Der Übende des Motobu Udundi trainiert am Anfang seinen Körper, indem er
die harten Techniken übt. Mit diesem Trainings als Basis fängt er an zu
lernen, wie man weichere Bewegungen benutzt um mit dem Gegner fertig zu
werden.
Diese weichen Bewegung werden in Wirklichkeit beim Kontakt oder in der
Anwendung hart und schnell. Mit anderen Worten, starke, kräftige
Techniken sind so in der Weichheit versteckt, dass weich und hart sich in
einer einzigen Bewegung oder Technik vereinigen.
Um diese Fähigkeit zu erwerben ist es nötig, den richtigen
Trainingsprozess zu durchlaufen. Der Übende muss zuerst die grundlegenden
Fähigkeiten durch das Taijutsu, das Tritte und Schläge beinhaltet,
erwerben. Dann nutzt er Trainingsmethoden des Motobu Udundi, um diese Fähigkeiten
zu festigen und zu stärken, um eine solide Basis zu legen. Die
verschiedensten Techniken können dann, eine nach der anderen, auf diese
Basis aufbauen. Geht der Übende nicht diesen Weg, wird er die Kokugi (Innere
Lehren) des Motobu Udundi nie erreichen.
Ständiges Üben und der Aufbau eines Repertoires harter und weicher
Techniken führt eventuell zum Gipfel der Kampfkunst-Techniken genannt Mai
oder auch "tanzen". Die Meisterschaft dieser Art von Bewegung,
die es dem Übenden erlaubt weich und effektiv auf jeden Aktion die ein
Gegner startet zu reagieren, gipfelt in Mouidi oder auch "kämpferisches
Tanzen" genannt. Mouidi ist die tiefste Lehre des Motobu Udundi. Wenn
ich Mouidi als tanzen beschreibe, meine ich damit nicht, einfach Bujutsu-Techniken
in tanz-ähnliche Formen zu wandeln und mit ihnen wie zu Musik zu tanzen.
Mouidi ist nichts derartiges.
Es ist eher so, dass man, um die tieferen Aspekte des Motobu Udundi wie
Tuiti und Schwertechniken zu meistern, den Körper in weichen Bewegungen
fließen lassen muss und das ohne Unterbrechungen. Letzten Endes sind die
Gokui oder Prinzipien der Tuiti und die Verwendung von Waffen eingebettet
in weiche, fließende Bewegungen von Mouidi, einer Art kämpferischen
Tanzes. Hat der Übende diesen Höhepunkt der kämpferischen Bewegung
erreicht, werden seine Bewegungen anmutig und elegant, sowie frei von
scharfen Ecken und Kanten. Aus diesem Grund ähnelt Mouidi auf den ersten
Blick eher einem herumtanzen. In Wirklichkeit sind in diesen anmutigen
Bewegungen schreckliche Kräfte verborgen, obwohl die Bewegungen weich und
geschmeidig sind. Dadurch bleibt den Menschen die darin verborgene Kraft
verborgen. Es braucht sehr hoher Fähigkeit und Erfahrung, um die wahre kämpferische
Kraft zu erkennen, die in diesem "Tanz" versteckt ist.

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Castillo de Nakabusuku
(Okinawa), 1990-1991, Derecha:
Sensei Mimoun Boulhafa, Sensei
Seikichi Uehara.
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Perfeccionando las técnicas
del Tui-ti, es posible la defensa contra cualquier oponente con cualquier
tipo de arma. La manera en que es agarrada y manipulada la mano de un
oponente en las técnicas del Tui-ti es muy similar a los movimientos
usados por los espadachines en el Motobu Udundi. Es por ello que es muy
difícil la maestría del Tui-ti sin antes haberse entrenado en el uso de
las armas. También es muy difícil la ejecución de las técnicas del Tui-ti,
si el cuerpo está rígido, ya que los puntos de fuerza del cuerpo deben
mantenerse relajados.
Lo primero que trabajan los
practicantes del Motobu Udundi es su cuerpo, practicando las técnicas de
un estilo duro. Con este entrenamiento de base, se empieza a aprender a
utilización de los movimientos suaves para controlar al oponente.
Estos movimientos suaves se
convierten en duros en el último momento del contacto o aplicación. En
otras palabras, lo duro, las técnicas poderosas, no son concebidas sin
las suaves. Por ello lo blando y lo duro se unifican en cualquier
movimiento o técnica.
Para adquirir esta
habilidad es necesario seguir el método de entrenamiento correcto.
Primeramente el estudiante debe perfeccionar los movimientos básicos
practicando el Taijutsu que comprende las patadas y los golpes, y después
usar el método de entrenamiento Motobu Udundi, para consolidar y
fortificar estas habilidades sobre una base sólida. Una vez comprendidos
estos fundamentos, se pueden crear miles de técnicas diferentes. Si no se
siguen estos procesos, el practicante verá frustrado su intento por
alcanzar la esencia profunda de la s enseñanzas "Oguki" del
Motobu Udundi.
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Foto tomada en el
Castillo de Nakabusuku (Okinawa), 1990-1991, Danza Hamachi Dori. |
Der Geist des Motobu Udundi
Es
gibt einige Gründe, warum ein Übender das Bujutsu einen starken Geist
haben muss. Als das Bujutsu der Adeligen und der königlichen Familie,
vermittelt das Motobu Udundi eine Anzahl strenger Regeln. Erlauben Sie mir,
Ihnen einige davon zu erzählen, so wie mein Lehrer sie mir oft gesagt hat:
Macht Dir nicht selber Feinde.
Ein Bujin oder Krieger muss Konflikten vorher aus dem Weg gehen, indem er
diese vermeidet durch das Wissen, wie man sich Feinde macht. Aus diesem
Grund lehrte mich Sensei immer, große Besonnenheit und Vorsicht in Wort und
Tat walten zu lassen. In Trainingskämpfen und halbspielerischen Dingen wie
Armdrücken muss man acht geben und es dem Unterlegenen ermöglichen, sich für
eine Niederlage zu revanchieren. Es einem Gegner möglich zu machen, das
Gesicht zu wahren, ist ein effektiver Weg, unnötige Konflikte zu vermeiden.
Man darf sich niemals den Gegner selbst aussuchen, nur um die eigene Stärke
oder Fähigkeit zu demonstrieren.
Weiterhin gebietet Motobu Udundi streng zu vermeiden, einen Konkurrenten zu
verletzen. Das ist offensichtlich während des Trainings sinnvoll, aber auch
wenn jemand der Feind ist, sollte man es vermeiden, diesen zu verletzen. Es
ist dann nicht nur eine Schramme beim anderen sichtbar, aber diese
Verletzung führt dazu, dass die Bitterkeit einem gegenüber weiterhin genährt
wird und die Missgunst wird solange erhalten bleiben, solange sie diese
Narbe tragen. Durch das Kratzen oder Verstümmeln des Gegners riskiert man,
dass der Konflikt immer und immer wieder aufflammt.
Der rechtschaffende Kampfkünstler geht mit angreifenden Gegnern um, ohne
sie zu verletzen und schickt sie stattdessen auf den Weg der Besserung.
Sensei sagt, es sei nötig, sehr aufmerksam zu sein, um nicht die Anwendung
der eigenen Kampfkunstfähigkeiten in einer solchen Situation zum Samenkorn
für weitere Konflikte werden zu lassen. Letzten Endes ist es nötig, die
Techniken in einem Grad zu meistern, der die Fähigkeiten des Gegners übersteigt.
Dementsprechend muss man als Kampfkünstler sich selber streng und
ununterbrochen trainieren und darf die tägliche Übung nie vernachlässigen.
Bujutsu sollte nicht so geübt werden, dass es zum Ausschluss oder zum
Schaden
der
eigenen Familie führt. Ein Krieger trägt zur Gesellschaft bei und achtet
die Verantwortung seiner Familie gegenüber.
Um das Training der Kampfkünste fortsetzen zu können, ist es nötig, die
Bedürfnisse der eigenen Familie zu beachten. Es ist wichtig, die eigene
Gesundheit zu fördern und den Frieden im Haushalt zu wahren.
Sensei sagte, dass man zuerst einen Beruf haben und sich um die Familie kümmern
sollte, und dann das Bujutsu-Training auf dieser Grundlage aufbauen kann. Da
der Zweck des Bujutsu ist, das eigene Leben und das der eigenen Familie zu
schützen, ist es sinnlos, Bujutsu auf Kosten der Familie oder der Karriere
zu üben. Anstatt das Bujutsu zum einzigen Lebensinhalt zu machen, ist es
wichtig, einige andere Beschäftigungen neben dem Training zu haben.
Man soll sich auf die Tatsache vorbereiten, dass, wenn man sich entschließt,
Bujutsu einzusetzen, es sehr leicht möglich ist, dass ZWEI Gräber
gebraucht werden.
Eines davon sollte für den Gegner sein, das andere für einen selber. Da
Bujutsu das Ziel hat, sich selbst und seine Familie zu schützen, könnte es
sein, dass man bis zum Tode kämpft. Deshalb muss man bereit sein selber zu
sterben. Außerdem...
Selbst wenn man einen Kampf gegen einen Gegner überlebt, kann es passieren,
dass die Kinder oder Verwandte des Gegners zurückkehren, um einen zu
besiegen. Sensei mahnte immer nie zu vergessen, dass zwei Gräber warten,
wenn man das Bujutsu verwendet. Er warnte davor, das Bujutsu leichtfertig
und unbedacht zu verwenden.
Selbst wenn man das Bujutsu erlernt hat, ist besser, das ganze Leben
verbracht zu haben, ohne es je benutzt zu haben.
CHOYU Sensei sagte immer, dass die "Techniken des Ryukyu-Königs",
mit anderen Worten Motobu Udundi, göttliche Manifestationen sind. Ich kämpfte
oft mit CHOYU Sensei während meines Trainings, aber ich schaffte es nie,
ihn zu berühren, selbst als er 70 Jahre alt war. Er schien zweifellos göttliche
Fähigkeiten zu besitzen. Tatsächlich war er so geschickt, dass ich glaube,
selbst wenn er von vielen Gegnern angegriffen worden wäre, wäre er in der
Lage gewesen, sie abzuwehren, ohne ihnen Verletzungen zufügen zu müssen.
Aber trotz seiner Fähigkeiten vermied er es, in Situationen zu geraten, in
denen es nötig geworden wäre, Bujutsu zu
verwenden.
Man muss sein ganzes Leben üben, um in die tiefsten Bereiche des Bujutsu
vorzudringen, aber es ist am wünschenswertesten, dass man auch sein
gesamtes Leben verbringt, ohne das erlernte Bujutsu überhaupt verwenden zu
müssen. CHOYU Sensei war zweifellos einer der bemerkenswerten Menschen, die
es schafften, dieses Ziel zu erreichen.
Übende des Motobu Udundi dürfen diese Lehren während des Trainings nie
vergessen und immer ein aufmerksames Selbstbewusstsein behalten, um zu
verhindern, dass sie sich durch Worte oder Taten selbst entehren. Auch während
des Trainings ist es wichtig, dass man den Körper des Trainingspartners
behandelt, als ob es der eigene wäre und zu vermeiden, dass andere durch
das Zur-schau-stellen der eigenen Kraft zu Schaden kommen.
Meine Ausbildung im Motobu Udundi
Zwischen
dem Alter von zwölf und 22 übte ich mit CHOYU Sensei allein. Wir übten
drei mal am Tag, morgens, nachmittags und abends. Das Training war
unvorstellbar anstrengend. CHOYU Sensei brachte mir nicht nur die Bujutsu-Techniken,
sondern auch das Verhalten im alltäglichen Leben bei, so zum Beispiel, wie
man kocht oder wie man sein Kopfband korrekt bindet. Es wäre für mich unmöglich,
Ihnen all diese Dinge zu erzählen, aber ich werde einige der wichtigsten
darstellen.
Lauftraining
Ich
übte, schnell auf meinen Zehen vorwärts und rückwärts zu laufen, indem
ich mein Gewicht auf die großen Zehen verlagerte und meine Knie gerade
hielt. Ich musste laufen und dabei meine Brust herausdrücken und den Körper
aufrecht wie einen Pfosten halten, wofür ich den Hara als Zentrum nutzte,
um das ich den Körper bewege. Ich band Holzstücken mit Stoffstreifen an
die Rückseiten meiner Knie, um mir anzugewöhnen mit geraden Beinen zu
laufen.
Schlagtraining
Ich
übte zu schlagen, indem ich mit einer Seiken-Faust in den Magen meines
Lehrers schlug. Das Schlagen auf ein Makiwara (Übungsziel, gemacht aus
einem mit Stroh umwickelten Brett) war nicht erlaubt, da das Schlagen auf
ein regungsloses Ziel nicht schult, eine sich bewegende Person zu schlagen.
Im Kampf verwenden wir Nukite, oder Speerhand. Die Speerhand, die wir im
Motobu Udundi verwenden ist etwas einzigartig, da wir den Daumen gerade
lassen, parallel zu den anderen Findern, anstatt ihn einzubeugen. Um meine
Speerhand zu stärken, übte ich das Stechen der Finger in den Sand am
Strand. Schließlich war sie stark genug, um ein drei Zentimeter dickes
Brett aus Zedernholz zu spalten.
Training des Tretens
Um
das Treten zu üben, band ich ein Stück Tuch an einen Bambuspfosten etwa in
Gesichtshöhe und trat dorthin die geradbeinigen Tritte, die für das Motobu
Udundi charakteristisch sind. Bei diesen Tritten sind das tretende Bein und
das Standbein gerade, treffen mit den Zehenspitzen beim Strecken und mit der
Ferse beim zurückziehen.
Im nächsten Stadium übte ich sichelförmige Tritte mit gestrecktem Bein.
Ich hielt meine Arme ausgestreckt, parallel zum Boden, mit Tüchern an den
Armen in denen sich Steine befanden. Schwankte mein Körper aufgrund des
Trittes, schwankten die Tücher natürlich auch und schlugen so gegen meine
Beine.
So lernte ich meinen Oberkörper beim Treten ruhig zu halten. Ich fing mit
etwa 600g schweren Steinen und erhöhte das Gewicht bis auch etwa 1800 g.
Später übte ich Treten mit geradbeinigen Tritten diagonal über meine
gegenüberliegende Schultern auf ein Brett, das dort angebracht war. Dann
trainierte ich die selben Bewegungen, indem ich versuchte, ein Brett, das
sich hinter meinem Kopf befand zu zertreten.
Ich übte auch, hochzuspringen, um kleine Äste wegzutreten oder ich sprang
von Steinmauern oder anderen hohen Punkten, um während des
Herunterspringens mit einem Fuß zu treten und mit beiden Händen zu
schlagen und um dann, auf dem Boden angekommen, erneut schnell zu treten und
zu schlagen.
Sprungtraining
Ich
übte das Springen aus dem Stand ohne die Knie zu beugen, nur indem ich
meine Fußknöchel als Feder nutzte. Ich fing damit im Alter von zwölf
Jahren an und als ich etwa 17 Jahre alt war, war ich in der Lage, nur
durch die Kraft meiner Fußgelenke schulterhohe Mauern zu überspringen.
Sprung-Training mit einem Stab
Zum
Zwecke des Entkommens von umzingelnden Gegnern übte ich, von einer
Steinmauer zur anderen zu springen, indem ich einen Bambusstab verwendete.
Mit diesem konnte man auch auf Dächer und andere höhergelegene Plätze
gelangen.
Wintertraining im Meer
Nachdem
ich 18 Jahre alt war, machte ich mit meinem Sensei etwa alle drei Trage in
der Mitte des Winters ein Trainings im Meer. Sensei und ich (er sah in
Richtung Küste, ich in Richtung Wasser) gingen bis auf Schultertiefe ins
Wasser und sangen dort zusammen einige Zeit. Wir trugen dabei nichts außer
Unterwäsche.
Training
mit Tonkrügen
Ich
übte, unglasierte Tonkrüge zu heben, indem ich die Finger in die Krugöffnung
einführte und sie dann ausstreckte, um zu verhindern, das der Tonkrug
abrutschte.
Jeder Trug war etwa 30 cm hoch und hatte eine Öffnung von etwa 15 cm
Durchmesser. Als ich stärker wurde, machte ich den Krug schwerer, indem ich
ihn mit Sand füllte.
Die selben Krüge benutzte ich, um meinen Nacken und meine Knöchel zu stärken.
Dazu hielt ich den Körper gerade und die Arme gerade seitlich neben mir. Später
übte ich, diese Position zu halten, während Sensei meinen Unterleib drückte
und schlug. Schließlich konnte ich diese Position halten ohne zu zucken,
auch wenn er noch so schlug.
Das
Vogel-fang-Training
Ich
übte das fangen von wilden Vögeln mit einem Stab, an deren Ende eine sehr
klebrige Reispaste aufgetragen war. Sobald ein Vogel sich von einem Ast
losflog, benutzte berührte ich dessen Füße mit Hilfe der klebrigen Paste
am Stabende so, dass ich ihn fangen konnte ohne ihn zu verletzen oder seine
Federn zu beschädigen. Ich tat das, um eine sichere Hand zu entwickeln und
um zu lernen, den Atemrhythmus (Kokyu) den Gegners zu erfassen und dann mein
gewähltes Ziel anzugreifen.
Reittraining
Zuerst
lernte ich, wie man ein sattelloses Pferd reitet und wie man ein rennendes
Pferd besteigt. Dann übte ich, wie man während des Reitens verschiedene
Waffen wie das Langschwert (Tachi), den Speer (Yari), Naginata und so weiter.
Trainingskämpfe
Damals
war es wichtig, mein Kampfkunsttraining soweit wie möglich zu verheimlichen,
um so Herausforderungen von Leuten, die ihre Fähigkeiten testen wollten zu
vermeiden.
Währe es bekannt geworden, dass ich Bujutsu praktizierte, überfallen oder
gefangen worden, um ein Kakedameshi durchzuführen, was Kämpfe zum Testen
der gegnerischen Fähigkeiten bzw. Erweitern der eigenen Erfahrung waren. Früher
verloren viele junge Leute durch Kakedameshi ihr Leben. Choyu Sensei war
strikt gegen solche sinnlosen Konflikte und verbat natürlich Kakedameshi.
Wie auch immer gab es trotzdem Situationen in der ich die Rolle eines
Sparringpartners für andere Kampfkünstler spielte, die gekommen waren, um
von Sensei zu lernen. Ich nahm auch an Übungskämpfen teil, wenn ich Sensei
beim Besuch anderen Shihans begleitete.
Damals schwärzte der Höhergraduierte seine Hände mit Ruß von der
Unterseite von Kochtöpfen, während der Niedergraduierte Mehl benutzte. Der
Gewinner des Kampfes wurde danach ermittelt, indem die Position und die
Anzahl der schwarzen und weißen Treffer ausgewertet wurden. Es wurde als
Verletzung der Etiquette betrachtet, die Kleidung eines Höhergraduierten
mit schwer zu säubernden Ruß zu beschmutzen, weshalb die Niedergraduierten
anstatt dessen leicht gefärbtes Weizenmehl benutzten.
Das Annehmen von Wissen und Fähigkeiten die
ein Kämpfer braucht
Durch
die tägliche Übung lehrte mich Choyu Sensei Etiquette und andere Dinge,
die ich brauchte, um Motobu Udundi zu meistern. Er lehrte mich so viele
Dinge, von anständiger Haltung über das Training bis zum Wissen und den Fähigkeiten,
beide auf dem Schlachtfeld und im alltäglichen Leben zu benutzen.
Zuerst lehrte mich Sensei vor dem Training meinen Körper zu säubern und
saubere Unterwäsche anzuziehen. Kampfkunsttraining schließt immer einen
gewissen Grad an Gefahr ein und wenn man, durch einen fatalen Fehler, während
des Trainings sterben sollte, vermeidet man so, dass der Körper in einem
undankbaren Zustand zurückbleibt.
Als ich 18 wurde, lernte ich sehr genau verschiedene Arten, wie ein Kämpfer
Räume betritt bzw. verlässt und sich in Gebäuden bewegt. Mir wurde auch
der Umgang von alltäglichen Gegenständen als Waffen beigebracht, um auf
unerwartete Angriffe reagieren zu können.
Richtig benutzt können Dinge wie Essstäbchen, Tabakpfeifen und Gartenbesen
zu sehr effektiven Waffen werden. Mir wurden auch Aspekte der Ernährung
beigebracht, wie z.B. Reisschleim zum Frühstück zu essen, sowie das Nigana
(eine Art Salat) und Löwenzahl als medizinische Kräuter bei meiner täglichen
Nahrungszubereitung zu verwenden.
Mir wurde beigebracht, wie sich ein Krieger für eine Schlacht vorbereiten
sollte - von einfachen Dingen wie dem Binden meines Kopfbandes bis dahin,
nur Reiskuchen (mochi) und Nudeln zu essen. Ich wurde gelehrt Metsubashi (Schlag
in die Augen des Gegners um ihn zu blenden), wie verschiedene Waffen zu
tragen sind, wie man Schwerter schärft bzw. sie nach der Benutzung
repariert, wie man die Schnur an meine Schwertscheide bindet und Millionen
anderer Dinge.
Weiterhin lernte ich, mich an Sonne und Mond und der Windrichtung zu
orientieren und Vorteile aus topografischen Gegebenheiten zu ziehen. Mir
wurden Reittechniken für die Schlacht beigebracht und wie man auf einem
Pferd entkommen konnte, wenn man von vielen Gegnern angegriffen wurde. Ich
übte diese und viele andere Dinge durch regelmäßiges Trainings im Freien.
Zusammenfassung
Ich
denke, dass ich, dank der Lehren von Choyu Sensei, immer noch in der Lage
bin zu üben und mich in guter gesundheitlicher Verfassung für mein Altern
von 91 Jahren befinde. Ich werde mich bemühen, weiterhin seinen Lehren zu
folgen, um so lange wie möglich so aktiv zu bleiben wie ich jetzt bin.
Ich hoffe, man findet einige der hier von mir dargelegten Dinge nützlich für
das eigene Training. Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Training hier in
Japan.
Ver 2º parte